Die Johanneskirche in Crailsheim

Die Crailsheimer Johanneskirche, zu der einst ein großer Pfarrsprengel gehörte, ist seit alters Kapitels- bzw. Dekanatskirche. Die heutige Stadtkirche ist eine spätgotische dreischiffige Anlage nach dem Vorbild der schlichten Kirchen der Bettelorden, offensichtlich besonders der Franziskanerkirche in Rothenburg.
Der Chor wurde bereits auf Wölbung angelegt, jedoch erst 1852 in Holz ausgeführt. Die zweimal fünf Rundpfeiler des Langhauses stehen auf Grundmauern der Vorgängerkirche. Sie enden in Spitzbögen mit Tier- und Menschenköpfen. Darüber baut sich der Obergaden mit kleinen Viereckfenstern auf. Die Decken des Mittelschiffes und der Seitenschiffe sind flach gehalten. Durch Hinausrücken der Außenmauern und unter Einbeziehung der Strebepfeiler waren auf der Südseite eine, auf der Nordseite zwei Kapellen entstanden.
Außen bilden die nördliche Seitenkapelle mit der anschließenden Vorhalle des Hauptportals eine Einheit. Zweifellos wurde einst der Rundbogenfries unter den Dächern der Seitenschiffe von der romanischen Vorgängerkirche übernommen. Er wurde 1987/89 durchweg erneuert. Die nördliche Vorhalle trägt außen einen vorgeblendeten Kielbogen mit Kreuzblume und zwei Blendfialen. Zwei nach den Originalen gefertigte Engel über dem Portal halten Wappenschilde. Der eine zeigt den Brandenburgischen Adler, der andere trug wahrscheinlich einst (gemalt) das Crailsheimer Wappen. Im Innern der Vorhalle finden wir das Bildnis Johannes des Täufers mit Inschriftentafel. Der Schlussstein des kleinen Gewölbes zeigt den Kopf Christi.

Die Liebfrauenkapelle

Die Liebfrauenkapelle ist ein Kleinod im Herzen der Stadt Crailsheim, in direkter Nachbarschaft zum Rathaus. Sie prägt mit ihrem markanten Turm das Stadtbild und sie erfreut sich großer Beliebtheit bei Trauungen und Taufen, bei Konzerten und Sondergottesdiensten.

Erste Erwähnung fand die Liebfrauenkapelle bereits 1370. Gesichert ist das Datum ihrer Weihe (als katholische Kirche) am 3. 8. 1393.

Bereits 1522 fanden erste evangelische Gottesdienste statt. Doch es dauerte keine 50 Jahre, da wusste man nichts mehr mit ihr anzufangen. Im Jahr 1570 wurde sie verkaufte und von nun an als Markthalle und Lager genutzt. Diese tragische Zeit dauerte nur 8 Jahre, dann wurde sie zurück erworben, renoviert und für Wochengottesdienste genutzt. 1702 erhielt sie sogar eine eigene Orgel, gestiftet von  Dekan Michael Theodosius Seld.  Und 1727 -nach dem Bau des benachbarten Rathausturmes als Reformationsdenkmal -  wurde der Turm um ein fünftes, achteckiges Geschoss mit Zwiebelhaube erhöht.

Infolge der Säkularisierung wurde sie 1801 durch  die preußische Regierung erneut verkauft. Der Erwerber hatte die Absicht, die inzwischen baufällig gewordene Kapelle abzureißen und an ihrer Stelle ein Wohnhaus zu bauen. Nach Protesten aus der Bevölkerung wurde der Kaufvertrag rückgängig gemacht.

1804 fand die  Wiedereinweihung statt und  gut 100 Jahre später, bekam sie sogar eine neue Orgel.

Die dunkelste Zeit ihrer Geschichte erlebte sie im 2. Weltkrieg am 21.4.1945: beim Beschuss und Brand der Stadt Crailsheims wurde sie völlig zerstört.

 Die Crailsheimer hatten ihre Kapelle aber wieder nicht vergessen. Bereits im Juni 1950 war der Wiederaufbau des Kirchenschiffes abgeschlossen und es wurden von nun an wieder Gottesdienste gefeiert. 1953 kam der Turm, 1955 die neue Glocke, 1957 eine neue Orgel und 1966 das mittlere Chorfensters mit Glasmalerei. Unvergessen bleibt den Crailsheimern der Pflaumenbaum an der Südseite der Kapelle, der in den Trümmern der völlig zerstörten Stadt im Frühjahr 1945 wieder blühte  und zum Hoffnungszeichen für die Bevölkerung wurde.

 Pfr. Joachim Frisch

Das Kreuzberg-Gemeindehaus

„In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen“  verkündet der schöne Gedenkstein im Eingangsbereich  des Kreuzberg-Gemeindehauses, das am 1. März 1998 eingeweiht wurde. Dieses Bibelwort aus dem Johannesevangelium ist Programm!  Bis heute ist das Kreuzberg-Gemeindehaus ein lebendiges Haus, das vielen Menschen Heimat bietet. 

Der Wunsch nach  Räumen in der ständig wachsenden Kreuzberg-Siedlung, in denen sich Menschen versammeln können, ist natürlich viel älter als dieses Haus. Aus diesem Grund eröffnete die evangelische Johannesgemeinde bereits 1993 die sog.  Ladenkirche. In den Räumen eines ehemaligen Ladengeschäfts konnte man sich treffen, reden, Gottesdienste feiern. Hier entstanden die verschiedensten Gruppen und Angebote, die zum Teil bis heute Bestand haben:  Der Teeny–Treff,  das Kinderferienprogramm, die ökumenischen Gottesdienste, die Bücherei und vieles mehr. 

Der Kreuzberg begann zu leben und bald war die Ladenkirche viel zu klein, es musste gebaut werden. Im Frühjahr 1997 wurde der erste Spatenstich vorgenommen. Nach den Plänen von Architekt Matthias Weinrich, Crailsheim, wurde ein Haus gebaut, in dem viele Menschen Wohnung und Raum finden sollten: Menschen aus Siebenbürgen und Kasachstan,  aus der Ukraine und Oberschlesien, aus Polen und Ungarn und aus vielen anderen Ländern dieser Erde.

Schon beim Bauen haben viele  mitgearbeitet und das Haus mitgestaltet. Die Mosaike in den Decken und Wänden zeigen uns, mit welcher Liebe und Phantasie sie bei der Arbeit waren. 

Es war ein gemeinsamer Traum, der alles auf den Weg brachte. Der Traum vom Zusammenleben, -feiern, -arbeiten, -helfen, -trösten. Nach dem das Haus fertig war, kam der Traum von einem weithin sichtbaren Turm, dann der Traum von den Glocken, und der Traum von einer richtigen Orgel. Alles konnte in die Tat umgesetzt werden. Von Anfang an erfuhr auch der große Saal eine sehr hochwertige gottesdienstliche Ausgestaltung durch den Ellwanger Künstler Rudolf Kurz.

Noch immer herrscht reges Leben in diesem Haus. Viele Menschen haben hier Heimat gefunden:  in Gottesdiensten, in  Gruppen und Kreisen, in der Bücherei, in der Mobilen Jugendarbeit, beim gemeinsamen Mittagessen. Das Haus ist Eigentum der evang. Johanneskirchengemeinde. Genutzt und getragen wird das Haus heute von der evangelischen und katholischen Kirchengemeinde sowie der Stadt Crailsheim (Mobile Jugendarbeit).

Pfr. Joachim Frisch